Dagmar
Kübler
Texte für Presse und Unternehmen. Klare Worte. Gute Texte.
Erschienen im Schlaganfall Magazin THALA
der Stiftung Deutsche Schlaganfall Hilfe, 2011:

Rezension
Gaby Köster mit Till Hoheneder:
Ein Schnupfen hätte auch gereicht Meine zweite Chance
Text: Dagmar Kübler Gaby Köster und Schlaganfall? Das passt ungefähr so gut zusammen, wie Dita von Teese als Klosterfrau. Extreme Gegensätze aber machen die Sache interessant. Und deshalb ist es ein Glück, dass Gaby Köster durch den Schlaganfall nicht ihr genial-kreatives Denkvermögen verloren hat. Sowohl für Köster-Fans als auch für all diejenigen, die sich fragen, wie ein Mensch, der gerade ganz oben auf dem Treppchen des Ruhms nach den Sternen greifen konnte, einen so tiefen und radikalen Absturz verarbeiten kann, ist Kösters Buch "Ein Schnupfen hätte auch gereicht" ein absolutes Muss. Zumal es dank Kösters Erzählweise, die wie ein intimes Zwiegespräch mit dem Leser daher kommt, trotz 256 Seiten ein schnell konsumierter Lesespaß ist.

Die Frau mit der großen Kölner Klappe und einer noch größeren Herzenswärme und Lebenslust schafft es tatsächlich, ihrem Schicksal urkomische Momente abzuringen. Dabei wurde ihr nichts erspart: Am 8.1.2008 Mediteritorialinfarkt rechtsseitig, Linksseitenlähmung, dreieinhalb Wochen im Koma, starke Schwellung des Gehirns, Hirnblutung, teilweise Entfernung der Schädeldecke. "Wer ist diese Frankensteinbraut da im Spiegel?" So nimmt der Comedystar danach wieder ersten Kontakt zu sich auf und fragt sich, ob sie fortan "ein körperliches Wrack mit dem Arbeitsspeicher eines Teletubbies" sein wird. Dank vieler lieber Menschen und ihrem eisernen Willen, zwar liegend herein, aber stehend wieder aus dem Krankenhaus kommen zu wollen, kämpft sich die 50-Jährige durch Therapien ("Sitzenlernen, das kam mir genauso sinnvoll vor, wie Free Willy das Brustschwimmen fürs Seepferdchen-Abzeichen abzunehmen!") sowie Paparazzi- und Boulevardpresse-Gemeinheiten.

In ihrem Buch beschreibt Köster weit mehr als ihre Krankengeschichte. Ihr Werdegang von den "Lehrjahren" als schlagfertige Kellnerin in den Kneipen der Kölner Südstadt bis zur Entdeckung 1988 durch Jürgen Becker, später durch Rudi Carell, gibt tiefe Einblicke in ihr Wesen – aber auch in die hinter den Kulissen alles andere als glamouröse Welt des Show-Biz.

"Menschen, die beim lieben Gott angeklopft haben, werden nie wieder so sein wie vorher", schreibt Köster. Man darf gespannt sein, was die Powerfrau nach diesem Schicksalsschlag aus ihrem Leben machen wird.

Gaby Köster mit Till Hoheneder: Ein Schnupfen hätte auch gereicht. Meine zweite Chance. Erschienen bei Scherz, einem Verlag der S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main. 2011. ISBN: 978-3-502-15188-3, Preis € 18,95

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